Klimaschutz ist Antifa

make capitalism afraid again

Greta Thunberg verleugnet ein antifaschistisches T-Shirt, in immer mehr Städten finden unter Aufsicht der Behörden Rebellionen statt und immer wieder wird sich lieber von Gewalt distanziert, als Inhalte zu diskutieren. Zeit für ein Gespräch mit den neu aktivierten Umweltschützern von #FridaysForFuture und Extinction Rebellion.

Gerade geistert es wieder durch die Twittersphäre: #IchbinAntifa als Reaktion auf einen „Gedanken“ des US-Präsidenten, die Antifa auf die Liste der terroristischen Organisationen zu setzen. Das soll „den Job der Polizei erleichtern.“

Auch in Deutschland gehören Überlegungen zum Verbot von Antifa zum Repertoire faschistoider Politiker und Parteien. Zuletzt forderte die AfD ein Verbot. Im Internet finden sich sogar Petitionen dazu.

Besonders traurig sind die Distanzierungen aus der Klimabewegung zu radikalen, revolutionären aber auch antifa Gruppierungen (bspw. Hamburg). Das ist angesichts der Forderungen eines rapiden Kohleausstieg und nach Klimaneutralität verbunden mit der berechtigten Kapitalismuskritik schon absurd.

Die Klimakatastrophe kann nicht beherrscht werden, aber die Menschen, die sie erleiden, werden es sein. Welche Formen werden die Regierungen angesichts eines so starken Zusammenbruchs deiner Meinung nach wohl annehmen? Wir dürfen nicht den Tisch für die Faschisten decken.

Wenn sich der ökologische Zusammenbruch im Laufe der Zeit ausbreitet, wird die Wirtschaft zusammenbrechen. Und mit dem aktuellen Umgang mit der Klimakrise, werden mehr und mehr autoritäre Methoden zum Einsatz kommen, um die Katastrophe zu kontrollieren. Die Gefahr eines ausgewachsenen Faschismus sind dabei real.

Um es klar zu sagen, die Klimakatastrophe ist nur ein Weg zu einem neuen Fashicsmus, aber die autoritäre Formierung zum Beispiel zur Einführung der Polizeigesetze zeigt, dass auch Klimaaktivismus ein Ziel von autoritären Maßnahmen ist.

Jeder kann schon heute sehen, wer die massivsten Gegner der Klimabewegung sind: rechte Hetzer haben kein Problem mit autoritären Maßnahmen und fordern gleichzeitig viel mehr.

In den USA ging diese Allianz zwischen konservativen Politikern und Rechtsradikalen bereits soweit, dass als sich in Oregon der Senat kurzzeitig absetzte, um die Einführung eines Klimaschutzgesetzes zu verhindern, diese Politiker von Altright Militias gegen die Polizei verteidigt wurden, welche die Politiker zurückholen sollten. Vielleicht ein Blick in die Zukunft…

Auch wenn das Zusammenspiel in Deutschland noch nicht so eng ist: Rechtsextreme Militante und konservative Politiker sind solidarisch. Ihre gemeinsame politische Ausrichtung steht außer Frage. Sie verstehen beide, dass Klimaschützer*innen ihre Feinde sind. Wenn jemals wirklich der Status quo bedroht wird, werden sie sich aufeinander verlassen, um die Klimabewegung aufzuhalten. Die tumultartigen Proteste von 60 Bergleuten im Landtag NRW, orchestriert von der AfD, fällt in dieses Muster.

Der Aufstieg des Faschismus und die drohende Klimakatastrophe sind miteinander verbunden. Faschistische Führer wie Trump, Duterte und Bolsonaro rollen den Umweltschutz zurück, was die Klimakatastrophen weltweit beschleunigen wird. In dem daraus resultierenden Chaos wird es mehr faschistische Machtergreifungen geben.

Antifa-Strukturen und emanzipatorische Kämpfe sind ein Bollwerk gegen rechts

Bitte hört auch auf mit dem „Wir sind keine Anarchisten“-Spiel. Nicht nur scheisst ihr damit auf Menschen, mit denen ihr solidarisch sein solltet. Damit missachtet ihr auch Menschen, die lange vor euch im kapitalistischen System hart gefallen sind – einige von ihnen haben alles verloren, weil sie für die Erde und ihre Zukunft kämpften.

Du kannst diese Aktivisten, die lange vor dir viel riskiert und manchmal alles verloren haben, verurteilen und anprangern oder du kannst einigen von ihnen im Gefängnis schreiben und ihnen sagen, wie leid es dir tut, wie leid es allen tun sollte, dass ihnen niemand zugehört hat.

Denn, wenn ich Worte wie „Rebellion“ höre, denke ich an die Radikalen. Ich denke an Menschen, die in Baumhäusern saßen & Menschen, die Barrikaden bauten, um Bulldozer zu blockieren. Ich denke an Menschen, die Bagger und Kohlebahnen seit Jahren sabotieren, um ein Stück eines alten Waldes zu sichern — und gewannen.

Nur nochmal so zur Erinnerung: die republikanischen Senatoren in Oregon, die ich erwähnte, die bewaffnete rechtsradikale Milizenmitglieder benutzten, um Polizisten auf Abstand zu halten, damit sie nicht für eine Klimaschutzgesetz wählen mussten — sie gewannen. Das Gesetz war danach gestorben.

Auch in Deutschland greifen Vertreter*innen des Staates zu skrupelosen Mitteln, wenn es darum geht, die Profite von Kohle, Öl und Gas zu sichern. Die Räumung des Hambacher Waldes im September/Oktober 2018 – federführend durch den NRW-Innenminister Herbert Reul – ist nur ein Beispiel dafür.

Genauso wie dort der Öffentlichkeit eine Geschichte von Brandschutz erzählt wurde, um in einem der aufwendigsten Polizeieinsätze der Bundesgeschichte einen Wald zu roden, so wird auch immer wieder die Mär der terroristischen Antifa verbreitet. Das ist Bullshit, den ihr glaubt!

Autonome Aktionen durch Antifa-Strukturen sorgen regelmäßig dafür, dass rechte Aufmärsche u. Ä. verhindert werden. Dabei sind ungehorsame Elemente oft unvermeidlich. Und während sich rechte Strukturen immer weiter militarisieren und auch Polizei immer härter mit entschlossenem Gegenprotest verfährt, ist es auch ein globales Phänomen, dass der konsequente Umgang mit Nazis kriminalisiert wird. Beteiligt euch daran nicht.

Ich schreibe das nicht verbittert – bitte nicht falsch verstehen! Ich bin froh, dass ihr euch dem Kampf für eine bessere Zukunft für alle anschließen wollt, aber ihr habt euch da ein konservatives Framing andrehen lassen. Ich mache Berichterstattung und Trainings zu politischen Bewegungen & es geht mir nicht darum, neue Leute anzuscheißen, weil sie nicht wissen, was auch ich erst nach Jahren verstanden habe. Aber die Welt brennt und der Faschismus ist auf dem Vormarsch, also brauche wir euch alle, um hier gegen zuhalten.

Macht euch damit vertraut, wie jeder Terroranschlag seit dem 11. September benutzt wurde, um Gesetze zu verabschieden, die u.a. radikale Umweltaktivisten als Terroristen bezeichneten, obwohl sie nie einer Person oder einem Tier geschadet hatten. Ebenso gab es nie tödliche Antifa-Angriffe, und doch ist das Wort Terrorismus hier im Spiel (z. B. nach G20 Hamburg).

Wer bei Fridays For Future mitmacht, kennt Kriminalisierung. Zuerst wart ihr Schulschwänzer*innen, dann erst hat mensch euch zugehört. Geht davon aus, dass eure Kriminalisierung mit eurer Effektivität Schritt halten wird. Und denkt daran, dass es bei Rebellionen nicht um Seriosität geht. Es geht um die Umkehrung dessen, was nicht weitergehen darf.

Der Kapitalismus wird tun, was er tut, bis die Lichter ausgehen, es sei denn, wir stoppen ihn. Du musst kein Antifa oder Anarchist sein, aber wenn wir es schaffen und es vermeiden wollen, unsere Tage in einer faschistischen, vom Desaster gebeutelten Höllenlandschaft zu verbringen, brauchen wir eine geradezu aufständische Solidarität.

Vielen Dank an Kelly Hayes, die mich mit ihrem bombastischen Thread zu diesem Beitrag inspiriert hat.

Share on facebook
Facebook
Share on google
Google+
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on pinterest
Pinterest

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.