Während Chefgehälter steigen muss die Belegschaft sparen

ballonbus

Unter dem Druck der sogenannten Haushaltssanierung der Stadt Essen haben sich die beiden Verkehrsgesellschaften Mülheims und Essens nach langen Verhandlungen zur Bildung eines gemeinsamen Verkehrsverbunds durchgerungen. Erklärtes Ziel: Geld einsparen.

Geld einsparen: Das, was die Führungsspitze darunter versteht, lässt einem nahezu das Frühstücksbrötchen im Hals stecken. Während der Belegschaft Vergünstigungen wie Familientickets und Jubiläumsgeld gestrichen werden und unbefristete Beschäftigungsverhältnisse in befristete umgewandelt werden, greift die Spitze kräftig zu und erhöht ihre Gehälter auf satte 250.000 Euro plus Versorgungsbezüge. Eine Erhöhung, die über den Daumen gepeilt den Einstiegsgehältern von gleich 10 Busfahrern entspricht.

Die EVAG spricht von der Erhöhung, als sei sie ein „ganz normalen Vorgang“ im Rahmen einer Unternehmensfusion. Die Gehälter der beiden Vorstände seien branchenüblich – die deutliche Fahrpreiserhöhung für die Kunden im Zeichen des Sparzwanges wahrscheinlich auch.

Wer jetzt denkt, dass der deutschlandweit bekannte Kämmerer und Kurvenfeger Lars Martin Klieve und der Oberbürgermeister Tomas Kufen dieses beanstanden, hat sich geschnitten.

Während die einen kräftig in den Fleischtopf greifen, gerät Tomas Kufen in das bekannte Fahrwasser seines Vorgängers Paß, der sich in seiner Amtszeit besonders dadurch hervortat, bei Filz und Kungel gerne mal ein Auge zuzudrücken – und damit in den politischen Fleischwolf.

Oberbürgermeister Thomas Kufen hält die deutlich erhöhten Jahresgehälter der Evag-Vorstände für gerechtfertigt. „Wir haben hohe Ansprüche an den Vorstand und müssen uns bei der Bezahlung daran orientieren, was in der Branche üblich ist.“, so Kufen.

Das ist besonders für die Essener und Essenerinnen, denen seit Jahren immer wieder das Kürzungsmantra vorgekaut wird, ein Schlag ins Gesicht. Aber auch für Angestellte aus anderen städtischen Beteiligungen, wie z.B. der Essener Suchthilfe, die seit Jahren für angemessene Tarifverträge kämpft, dürfte dieses Vorgehen kaum zu verstehen sein.

Kritische Stimmen hört man auch aus der Belegschaft. Die „Stimmung ist mies.“, so Rainer Sauer, Gewerkschaftsvorsitzender.

Und außerdem stellt sich die Frage, was wohl Obersparkommissarin Anne Lütkes dazu sagen wird. Selbst eine marginale Absenkung der Kitagebühren war von ihr beanstandet worden. Matthias Stadtmann, Ratsherr für DIE PARTEI, hat sich wohl die gleiche Frage gestellt und Frau Lütkes gleich mal einen Brief geschrieben. Auf die Antwort bin ich sehr gespannt.

Vielleicht führt der gesamte Unmut und Protest von allen Seiten ja dazu, dass Herr Feller und Herr Bonan ihre Gehaltssteigerung nochmal überdenken und dankend verzichten.

Und eventuell denkt der Oberbürgermeister nochmal selbstkritisch darüber nach, ob es ihm so gut zu Gesicht steht, sich für Unternehmensinteressen instrumentalisieren zu lassen.

Ich persönlich würde ja gerne mal überrascht werden durch ein grundsätzliches Umdenken bei Unternehmensführung und Vorstandspositionen. Mit gutem Beispiel voran zu gehen, könnte ja auch zur Abwechslung mal eine Devise sein. Anstatt des ständigen „Krieg den Hütten und Frieden den Palästen“ einfach mal „Frieden für alle“. Niemand hat etwas gegen faire Bezahlung. Das muss dann aber für die gesamte Belegschaft gelten und nicht nur für eine elitäre Führungsspitze. Frau wird ja nochmal träumen dürfen.

Dieser Artikel erschien bereits in ähnlicher Form auf ruhrbarone.de

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